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ChatGPT im kleinen Betrieb: Was es heute schon bringt und wo Sie vorsichtig sein sollten

· von Oliver Misch · Lesezeit etwa 3 Minuten

Freundlicher Roboter, das Maskottchen von webplusmedia aus Bonn
Handwerker im Büro seines Betriebs liest nachdenklich eine Chat-Antwort am Monitor, daneben Zollstock und Arbeitshandschuhe

Seit dem Winter kommt kaum ein Gespräch ohne ChatGPT aus, auch bei unseren Kunden. Manche haben es ausprobiert und sind begeistert, andere halten es für Spielerei, und ein paar haben Angst, dass es ihre Branche verändert. Hier ein nüchterner Blick darauf, was das Werkzeug heute für einen kleinen Betrieb taugt.

Was ChatGPT ist und was nicht

ChatGPT ist ein Sprachmodell: Es hat enorme Mengen Text gelesen und kann daraus neue Texte bilden, die sich lesen, als hätte sie ein Mensch geschrieben. Es ist keine Suchmaschine und kein Nachschlagewerk. Es weiß nichts über Ihren Betrieb, hat Wissensstand von 2021 und erfindet im Zweifel Dinge, die plausibel klingen, aber falsch sind. Wer das im Kopf behält, kann damit viel anfangen. Wer es als allwissend behandelt, wird früher oder später hereinfallen.

Seit März gibt es die Version GPT-4, die spürbar besser formuliert und weniger Fehler macht, allerdings nur im Bezahlabo. Die kostenlose Version reicht für die meisten der Anwendungen unten.

Vier Dinge, die heute schon funktionieren

Rohfassungen für Texte

Die Stellenanzeige, der Aushang zu den Betriebsferien, die Antwort auf eine Beschwerde, die Produktbeschreibung für den Shop: Man beschreibt in zwei Sätzen, was man braucht, und bekommt einen brauchbaren Entwurf. Der ist nie fertig, aber ein Entwurf, den man umschreibt, geht dreimal schneller als ein leeres Blatt. Wichtig: Fakten, Preise und Namen selbst einsetzen und prüfen, die erfindet das Modell gern.

Texte verständlicher machen

Einen Fachtext in einfache Sprache bringen, eine lange E-Mail zusammenfassen, einen Vertragstext erklären lassen. Hier ist ChatGPT richtig gut, weil es nichts Neues wissen muss, sondern nur umformuliert, was man ihm gibt.

Ideen sammeln

Zwanzig Vorschläge für den Namen der neuen Dienstleistung, zehn Fragen, die Kunden zu einer Wärmepumpe haben könnten, Gliederung für eine Präsentation. Die Hälfte ist unbrauchbar, aber zwei oder drei Ideen sind meist dabei, auf die man selbst nicht gekommen wäre.

Kleine Formeln und Skripte

„Wie berechne ich in Excel die Differenz in Arbeitstagen?“ oder „Schreib mir eine Formel, die ...“. Das funktioniert erstaunlich zuverlässig und spart die Suche in Foren.

Wo Sie vorsichtig sein sollten

Datenschutz

Alles, was Sie bei ChatGPT eingeben, landet auf Servern von OpenAI in den USA und kann zum Training verwendet werden, solange Sie das in den Einstellungen nicht abschalten. Kundendaten, Mitarbeiterdaten, Vertragsinhalte, Gesundheitsdaten haben dort nichts verloren. Italien hat den Dienst im April deswegen vorübergehend gesperrt, und die deutschen Datenschutzbehörden prüfen gerade. Für Texte, die nichts Persönliches enthalten, ist die Nutzung unproblematisch. Für alles andere: anonymisieren oder lassen.

Texte für die Webseite

Hier sehen wir gerade einen Trend, der schiefgehen wird: ganze Webseiten mit ChatGPT-Texten füllen. Die Texte klingen alle gleich, enthalten keine echten Informationen und keine Erfahrung, und Google hat bereits angekündigt, dass es Inhalte nach Nutzen bewertet, nicht danach, wer sie geschrieben hat. Ein Text, der nichts sagt, hilft nicht, egal wie flüssig er ist. Nutzen Sie das Werkzeug für den Entwurf, aber Ihr Wissen und Ihre Preise müssen hinein.

Rechtliches

Impressum, Datenschutzerklärung, AGB oder Vertragstexte von ChatGPT schreiben lassen ist riskant. Das Modell kennt die Rechtslage von 2021, kennt keine aktuellen Urteile und erfindet Paragrafen. Für die Grundstruktur ist das in Ordnung, für die Freigabe braucht es weiterhin jemanden, der haftet.

Was wir selbst damit machen

Wir nutzen ChatGPT seit ein paar Monaten für Rohfassungen, zum Zusammenfassen langer Unterlagen und als Sparringspartner bei Code-Problemen. Was bei uns nicht hineingeht: Kundendaten und alles aus laufenden Projekten. Und was wir gerade ausprobieren: ob sich das Modell mit den eigenen Inhalten eines Betriebs füttern lässt, damit es auf der Webseite Kundenfragen beantwortet. Das geht technisch seit kurzem über eine Schnittstelle, ist aber noch nicht reif für den Alltag. Wir berichten, wenn es so weit ist.

Unser Rat für die nächsten Monate

Probieren Sie es aus, mit unkritischen Aufgaben, und schauen Sie, wo es Ihnen Zeit spart. Legen Sie fest, was im Betrieb nicht eingegeben werden darf, und sagen Sie das den Mitarbeitern, bevor es jemand aus Versehen tut. Und erwarten Sie nicht, dass das Werkzeug Ihnen die Arbeit abnimmt. Es nimmt Ihnen das leere Blatt ab, das ist schon viel. Was sich daraus für Betriebe entwickelt, beobachten wir weiter; den aktuellen Stand finden Sie auf unserer Seite KI für Unternehmen.

Passend dazu: KI für Unternehmen aus Bonn

Oliver Misch, Autor und Geschäftsführer bei webplusmedia

Über den Autor

Oliver Misch

Geschäftsführer der medienplus GmbH, Online-Marketing seit 2006

Oliver baut seit 2006 Webseiten und sorgt dafür, dass sie gefunden werden. Er führt webplusmedia in Bonn-Bad Godesberg, macht die Erstgespräche selbst und schreibt hier über das, was in Projekten mit Betrieben aus der Region wirklich passiert.

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